Aktive Fotografie

PHASES OF SADNESS

Autor + Fotos: Benedikt Haushofer, helix-graphix.com

Die vier Phasen der Trauer

Trauer kennt wohl jeder, auch mir ist das kein Fremdwort und wie so oft kommt auch hier ein Mädel vor, das einem Typen das Herz gebrochen hat. Es ist jetzt knapp vier Jahre her und ich hab diese Bilder bis dato noch nirgends released bzw. nur im engen Kreise gezeigt und dementsprechend ist es für mich auch ein kleines Nervenspiel diese im Netz zu zeigen.

Über den Autoren:  I love Digital Art! ist das Motto von Benedikt Haushofer aus Graz. Seit Mitte 2014 gibt Benedikt auf seiner Webseite “Helix Graphix” einen Einblick in seine Arbeit und Ziele. Und er hat sich einiges vorgenommen. Seine Webseite ist eine kreative Baustelle, ein Ort an dem seine ganze Leidenschaft hineinfließt. Mehr über seine Arbeit und seine Sicht auf die Welt könnt ihr auf seiner Webseite nachlesen.

Was dabei herauskam

von links nach rechts:
1. Verleugnung
2. Wut, Zorn
3. Depression
4. Akzeptanz

 

Die Vorgeschichte

Es ist Mai 2010 und ich bin am Boden zerstört, ich fühle mich als ob mir jemand das Herz herausgerissen hätte und so als würde ich für den Rest meines Lebens komplett alleine sein. Die Schmerzen sind in meinem Kopf, im Bauch, in der Brust, einfach überall und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Mein Kopf macht mich irre.

Ja, ich denke viele von uns Männer kennen dieses Gefühl, das Gefühl wo wir uns einfach allein und scheiße fühlen. Mit keinem reden wollen und wenn doch, wir die Leute nur vollheulen damit wir ein wenig Mitleid bekommen.

Ich litt vor mich hin, diese ganzen Erfahrungen waren neu für mich und ich konnte kaum einen graden Gedanken in meinen Kopf fassen. Alles was in mir war, war Schmerz und Leere. Fragen drängten sich in mir hervor, was ich denn alles falsch gemacht hatte. Und natürlich die vordergründigste aller Fragen: Warum!?!
Warum ich!? – ich hatte es nicht verdient.
Sowas hat keiner verdient…

Ich begann zu recherchieren und bemerkte das ich keinesfalls alleine mit so einem Zustand bin, nein viel mehr gibt es eine Heerschar von Typen die in ähnliche Muster fallen. Das geht in die absoluten Extreme von Drohungen, Amokläufe bis hin zum Suizid.
Jeder findet dabei seine eigenen Wege damit zu dealen oder eben nicht. Ich bin ich mir sicher, dass man an solchen Schmerzen zu Grunde gehen kann, allerdings war das für mich niemals eine Option. Aufgeben passt nicht in mein Weltbild, auch wenn es noch so schmerzerfüllt ist, werde ich eine Möglichkeit finden damit zu leben.

Bei meinen Recherchen fiel mir komischerweise wieder eine Simpsons Folge ein, in der Lisa zu Bart sagt das Trauern immer in vier oder fünf Phasen erlebt wird. Haha, komisch was einem so alles durch den Kopf geht, wenn man kurz vorm emotionalen Kollaps ist.

Da ich sowieso Ablenkung benötigte begann ich in die Trauer und die dahinterstehende Psychologie zu schnuppern. Schnell stolperte ich dabei über Verena Kast die ein Modell von vier Phasen der Trauer beschreibt: Verleugnung – Wut – Depression – Akzeptanz
Es waren mittlerweile schon fast sechs Monate vergangen, seit der Kontakt zu meiner damals Angebeteten abgebrochen war und ich war nach wie vor sowas von im Arsch. Ich dachte viel nach und irgendwie bemerkte ich das die Muster – die von Verena Kast beschrieben wurden – bei mir exakt identisch waren.

Das war der Ansporn dies in Bildern umzusetzen.
Doch wie?

Die Herausforderung

Die Challenge war also klar – ich wollte es irgendwie zum Ausdruck bringen wie diese Phasen aussahen. Wie ich dabei aussah, wie ich mich dabei fühlte und es sollte klar sein was Sache ist, wenn jemand die Bilder sieht .

Ich überlegte lange, da ich es selbst als sehr wichtig empfand, dass genau die Stimmung, die Story und eben auch die Emotion eingefangen werden sollte in der ich mich damals befand.

Das Skript und die Idee

Nach langem Hin und Her beschloss ich das ich die Aufnahmen klarerweise mit mir selbst als Model durchführen musste, da ich kaum jemanden dazu bewegen konnte, der genau das zum Ausdruck brachte was ich mir vorstellte, bzw. ließen dies mein angeschlagener Gemütszustand und meine damaligen Fähigkeiten bei weitem nicht zu.

Ich entschied mich für Close Up’s von meinem Gesicht, da das Gesicht immer der Ausdruck unserer Emotionen ist.

Die Grundidee der Posen war eigentlich sehr einfach:
Verleugnung – sollte eine Verdeckung des Gesichts sein, so das keine Augen (welche ja der Spiegel zur Seele sind) sichtbar sein sollten.
Wut, Zorn – sollte auf alle Fälle das geladenste Motiv der Serie sein und pure fehlgeleitete Energie ausstrahlen.
Depression – der Kern der Serie; es war mir schnell klar das mein Kopf dem eines Totenkopfs ähneln und eine ähnliche Kälte ausstrahlen sollte.
Akzeptanz – das Ende der Serie sollte den größten Schmerz im Einklang mit einem Neubeginn wiederspiegeln, dies unter einem Hut zu kriegen war schwer. Ich sträubte mich lang aber es war mir sehr wichtig das dies die tiefste Emotion wiedergab. Ich wollte unbedingt den gesamten Herzschmerz in das Bild einfließen lassen und dies war eine echte Herausforderung, da ich mir auch noch nicht sicher war ob ich das Ganze nochmal durchleben wollte.

Das Thema

Das Thema des Shootings sollte finster sein, richtig finster und düster. Weiters sollten hohe Kontraste, schwarzer Hintergrund und eine hohe Schärfe das Bild dominieren. Ich wollte alle Details sehen, keine Schönheit, sondern pures Gefühl ausdrücken, nichts sollte dieses Projekt in irgendeiner Weise beschönigen.

The Models & Location

Zu der Zeit war ich weit davon weg irgendein Studio oder dergleichen nutzen zu können. Ich konnte mir grade so meine Kamera leisten und so musste das Wohnzimmer herhalten. Ich nutzte einige schöne Sommertage die helles, hartes Licht lieferten, für eine passive Ausleuchtung von mir, von verschiedenen Seiten.

The Look

Der Look, ja also da gibt´s wohl einiges zu erzählen. Um es kurz zu machen, es war ein elendig langes herumexperimentieren bis ich endlich zu dem gewünschten Ergebnis kam. Ich erreichte den Look im Endeffekt dadurch das ich die Luminanzinformationen als Maske auf das Hauptbild angelegt habe und dahinter eine schwarzen Füllebene platzierte. Somit erhält man einen immensen Kontrastboost und Teile des Hintergrunds werden eben sehr dunkel. Diesen Effekt kann man dann verstärken, indem man auf der Maske Dodge and Burn anwendet.
Das bedeutet viel Fingerspitzengefühl v.a. wenn man nur eine Maus zur Verfügung hat.

Das andere ist Standardkost – viel geschärft mit Hochpass Filter, um den knackigen Look zu erreichen. Weiter wurde das Bild stark entsättigt, damit oben genanntes Thema transportiert werden konnte.

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What I have learned

Aus dem Projekt habe ich tonnenweise Sachen über mich und auch über Bildbearbeitung bzw. übers Fotografieren gelernt. Hier mal die Milestones aus meinem Shootingdiary:
# für tiefgründig greifende Bilder benötigt man Zeit (sowohl beim Shooting als auch bei der Bearbeitung)
# um die Emotion perfekt in Bildern einfangen zu können muss man sich zwangsläufig in die Situationen hineinversetzen, ansonsten merken die Betrachter das es ein Fake ist
# es ist die Aufgabe des Fotografen das Model zu führen, sodass es sich in die jeweilige Situation hineinversetzen kann
# helle Sonnentage sorgen für ein hartes Licht was gut in der Nachbearbeitung verwendet werden kann
# Luminanzmaske in Kombination mit schwarzer Füllebene sorgt für mächtige Kontraste
# Dodge and Burn mit einer Maus ist einfach nur ein Geduldsspiel

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen das ich aus dem Projekt eine Menge gelernt habe. Sehr viel über Stimmungen in Bildern und natürlich im Retuschebereich.

Die weitaus größere Veränderung und der Lerneffekt hat aber in mir stattgefunden. Es war die Tatsache das es weiter geht, auch wenn einem der Kopf gerne Streiche spielt.

Ich bin mit dem Projekt sehr zufrieden und ich denke es ist eines von diesen Projekten die mich nachhaltig verändert haben und immer ein Teil von meiner Entwicklung sein werden.

 Anmerkung der Redaktion: Die Beiträge der Gastautoren auf “fotowalker.de” beleuchten alle Facetten der Fotografie und gibt die jeweilige Sicht des Autoren wieder. Wir freuen uns über jeden Beitrag. Wenn ihr auch ein interessantes Thema habt, schreibt uns einfach eine Mail. Nur Mut, wir helfen euch auch gerne, wenn ihr Hilfe braucht.

About the author

Christian Thieme

Christian Thieme ist Journalist und Fotograf aus Nordrhein-Westfalen.

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