Messen

photokina 2014 – Ein persönlicher Rückblick

Es war ein regnerischer Tag am dem ich die diesjährige Photokina besuchte – und zudem ein Samstag. Eigentlich sollte man meinen, dass die Messe aus allen Nähten platzen sollte – das tat sie aber erfreulicherweise nicht, und so konnte ich in aller Ruhe durch die Hallen schlendern und mir einen Überblick über die Branchenneuheiten verschaffen.

Schnell wurde mir klar das die diesjährigen Trends klar Richtung Action, Drohnen und schnellen Bildern ging. In Halle 9 dominierte GoPro mit einem riesigen Stand und offerierte seine kostenlose Basis-Schnittsoftware GoPro Studio, die es jedem Laien ermöglichen soll hochwertige Videos zusammenzuschneiden, die er mit seiner Actioncam aufgenommen hat. Natürlich gibt es noch eine Premium- und Professional-Variante die dann zusätzlich mit ca. 235 bzw. 775 Euro zu buche schlagen, ein Schnäppchen.

Den dazugehörigen Ready-to-Fly-Copter gab es bei verschiedenen Anbietern direkt um die Ecke. Präsentiert wurden einfache Minidrohnen zum sofort Losfliegen und professionelle, unter die nur noch eine entsprechende Actioncam montiert werden musste.

Aber auch die stilgerechte Bildpräsentation kam auf der Messe nicht zu kurz. Mit ChromaLuxe präsentierte sich eine Technik bei der Tinten in eine speziell beschichtete Aluminiumplatte gegossen werden. Dadurch bekommen die entstehenden Drucke eine beeindruckende Brillanz. Auf dem Stand mit den richtigen Lichtbedingungen sah das schon richtig toll aus. Aber auch Anbieter wie Whitewall zeigten mit dem HD Metal Print, dass es auch Alternativen gibt. Bei dieser Technik wird im Sublimationsdruckverfahren direkt auf eine Aluminiumplatte geprintet.

Aber auch kleinere Anbieter wie das Fotolabor FotoExact aus Bonn – die auch unter dem Namen fotocommunity prints bekannt geworden sind – zeigten wieder einmal neue Ideen für eine kreative Präsentation von Familien- und Hochzeitsfotos. Unter anderem zeigte das Unternehmen kleine Akkordeonbücher die schnell und einfach zu produzieren sind oder auch hochwertige Boxen mit individuellen Gravuren für eine ansprechende Aufbewahrung von Printabzügen.

Natürlich trumpften die großen Kamerahersteller wie Nikon, Canon und Co. wieder kräftig auf. An den Ständen konnten die neusten Kameramodelle in die Hand genommen und einem prüfenden Blick unterzogen werden.

Insgesamt viel mir auf, dass der Trend zu kleineren Kamerabodys geht. Bei Sony beispielsweise machte die Alpha 6000 mit einem 400mm Zoomobjektiv eine richtig gute Figur. Über einen eingebauten Videosucher konnte man problemlos alle Werte ablesen und ich begann mich wirklich zu fragen, warum ich eigentlich noch immer mit einer klobigen DSLR herumlaufe.

Bei Canon wurde dieses Jahr die neue EOS 7D MKII vorgestellt. Im Gegensatz zur Sony ein richtiger Brocken, der aber gut in der Hand liegt. Einzig und allein der Sucher überzeugte mich nicht. Durch die herkömmliche Spiegeltechnik waren die zahlreichen Autofokus-Messpunkte auf der Mattscheibe eingraviert. Eigentlich ein Zeichen für eine professionelle Kamera aber in meinen Augen erschwert es die Bildkomposition deutlich, da die zahlreichen Messpunkte dominant vom eigentlichen Bild ablenken. An dieser Stelle haben die neuen Videosucher einen klaren Vorteil. Hier kann genau eingestellt werden, was im Sucher wirklich zu sehen sein soll.

REDUKTION ist hier das Zauberwort.

Das die Zeit der Spiegeltechnik vorbei ist, zeigten auch Olympus und Fujifilm mit ihren neuen Modellen. Bei Fujifilm beispielsweise wurde die neue XT1 in der Silver Edition vorgestellt. Gegenüber der schwarzen XT1 sind an diesem Modell aber einige Softwareänderungen vorgenommen worden. U. a. sind nun Verschlusszeiten bis zu einer 1/32000 Sek. möglich. Nach Angaben der Fujifilm-Mitarbeiter soll aber im kommenden Jahr ein Softwareupdate die neuen Features auch in die älteren „SCHWARZEN“ XT1 Modelle integrieren. Der hochgelobte Videosucher hält ebenfalls was er verspricht, ein klares, deutliches und großes Bild, der den herkömmlichen Spiegelsucher eindeutig in den Schatten stellt. Mit einem Anschaffungspreis von ca. 1600 Euro für den Body ist die Kameras aber kein Schnäppchen für den Fotoamateur, sondern eher eine Investition der gehobenen Klasse.

Ein weiterer Trend der Messe ging eher in die analoge Richtung. Und zwar war der Sofortbildfilm für jedermann wieder prominent vertreten. Polaroid stellte mehrere Kameras mit der bekannten Zero INK Technologie vor, die nächstes Jahr auf den Markt kommen sollen. Die Polaroid Socialmatic beispielsweise setzt dabei auf Android und eine Dual Camera mit 14MP auf der Vorderseite und 2 MP auf der Rückseite und bietet neben GPS, Wi-Fi und Bluetooth auch die Möglichkeit QR-Codes auf die Fotos zu printen. Das Portfolio runden die Z2300 – eine 10 MP Sofortbildkamera – und die analoge PIC 300 Instant Camera ab.

Aber auch Fujifilm zeigte mit der bekannten INSTAX Familie, dass der Sofortbildfilm eine interessante Abwechslung sein kann. Vorgestellt wurde nun auch der INSTAX Share Printer – ein kleiner Drucker in Anführungszeichen, der digitale Fotos beispielsweise von einem Handy empfängt und dann auf INSTAX Mini Film belichtet. Dabei ist das Gerät so klein, dass es bequem in die Hosentasche gesteckt werden kann. Aber auch die Liebhaber der alten Polaroidfilme kamen dieses Jahr auf ihre Kosten, denn der alternative Hersteller IMPOSSIBLE PROJECT aus Berlin zeigte seine neue Collection an Filmen für die alten SX70 und 600er-Kameras von Polaroid. Die Filmpakete gibt es wahlweise in verschiedenen Farb- und Musterausführungen sowie als S/W- und Farbfilm. Als Highlight präsentierte die Firma das Instand Lab. Dabei handelt es sich um eine Belichtungseinheit mit der es möglich ist von einem iPhone-Display einen analogen Sofortbildfilm zu belichten. Laut Impossible Project soll im kommenden Jahr auch eine Variante für Android-Geräte auf den Markt kommen.

Mit einem technischer Leckerbissen präsentierte sich auch der Kamerahersteller Lytro auf seinem Stand. Der Hersteller der bekannten Lichtfeldkameras stellte das aktuelle Flagschiff – die Lytro Illum – vor.

Dieser Kameratyp ist speziell für die Darstellung von interaktiven Digitalfotos konzipiert und ermöglicht nach der Bildaufnahme nachträglich den Schärfepunkt und die Schärfentiefe festzulegen. Durch die derzeit geringen Einsatzmöglichkeiten fristet diese Technologie allerdings noch ein Nischendarsein.

Der Hersteller ist aber davon überzeugt ab dem kommenden Jahr deutlich mehr Anbieten zu können und steht derzeit mit großen Marken in Verhandlungen. Als Einsatzbeispiel nannte das Unternehmen die Präsentation von Produkten im Internet. Durch die spezielle Aufnahmetechnik kann der Kunde selber bestimmen wie er das Bild sehen möchte. Ebenso könnte der Einsatz in den Sozialen Medien den entscheidenden Durchbruch bringen. Nur eins stellte der Hersteller schon klar. Für die Herstellung von Printabzügen oder druckfähigen Fotos ist die Kamera nicht gedacht.

Als Abschluss der Messe besuchte ich die Leica Galerie in Halle 1. Nach der ganzen Technikschlacht in den anderen Hallen war es angenehm die Ausstellung mit bekannten Fotografen wie Bryan Adams, Thomas Hoepker und vielen weiteren Bekanntheiten zu besuchen und das ruhige Bild zu genießen. Leica hat es dabei verstanden die eigene Firmenphilosophie in einer ganzen Halle umzusetzen. Die Ausstellung war auf das wesentliche Reduziert – die Fotos. Für mich bildete diese Halle das Highlight der Messe, denn Leica unterstrich damit die Tatsache, dass für ein gutes Bild nicht immer das neueste und beste Equipment notwendig ist.

Eigentlich braucht man nur eine Kamera.

Autor: Christian Thieme

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Christian Thieme

Christian Thieme ist Journalist und Fotograf aus Nordrhein-Westfalen.

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